Diskriminierung am Arbeitsplatz: Ausprägungen und Prävention

Arbeitgeber haben Pflichten gegenüber ihren Angestellten. Dazu gehört auch der Schutz vor Diskriminierung. Diese kann in unterschiedlichsten Formen auftreten und wird nicht von jeder und jedem gleich empfunden, kann aber sehr belastend sein. Gerade im beruflichen Umfeld wirken Machtstrukturen, die Vorfälle komplex machen: Eine angespannte und strapaziöse Arbeitssituation entsteht. Prävention bietet Raum für eine vertrauensvolle Unternehmenskultur, in der sich alle wohl und sicher fühlen. Aber wie kann man Fällen von Diskriminierung vorbeugen?

Diskriminierung liegt dann vor, wenn jemand aufgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder wegen individueller Merkmale ausgeschlossen oder schlecht behandelt wird. Dies beginnt bereits auf der Führungsebene. Einer Frau weniger für dieselbe Arbeit zu bezahlen wie ihrem männlichen Team-Kollegen, immer denselben Personen Ferien rund um die Feiertage bewilligen – Beispiele für Führungsentscheide, die diskriminieren. Aber auch eine falsche Planung der Büroräumlichkeiten kann Menschen ausschliessen. Treppen statt Lift, schmale Gänge, Schwellen zwischen Räumen, enge Toiletten: diese Hindernisse schliessen Menschen mit Behinderung davon aus, gleichwertig am Arbeitsleben teilzunehmen. Dabei sind barrierefreie Büroräume nicht einfach «nice to have», sondern gesetzlich im Behindertengleichstellungsgesetz geregelt.

Diskriminierung im Alltag

Oft entsteht Diskriminierung aber auch im Büroalltag durch das Team. Geht eine Gruppe immer zusammen in die Mittagspause, ohne die anderen einzuladen, kann dies (ob beabsichtigt oder nicht) Mitarbeitende ausschliessen und für schlechte Stimmung in der Belegschaft sorgen. Lästereien, Spott, aber auch gezielte Diskriminierung und Abfälligkeiten aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der politischen Einstellung, der Herkunft, der Religion, des Aussehens oder des Alters, können für Betroffene sehr strapaziös sein und den Gang zur Arbeit zur Tortur machen.

Wenn ein Teil oder das ganze Team gezielt eine Person schikaniert, spricht man von Mobbing. Mobbingsituationen sind für Betroffene äusserst belastend und können bei Betroffenen schwere psychische Probleme auslösen. Kriminell wird Diskriminierung dann, wenn Missbräuche oder Übergriffe vorliegen. Hier reicht die Spannweite von anzüglichen Äusserungen bis hin zu körperlichen Übergriffen.

Team: Zwischen Konflikt und Freundschaft

Ein fieser Spruch oder ein Witz auf Kosten von Teammitgliedern, kann schnell einmal fallen. Auch wenn dies in einem freundschaftlichen, lockeren Arbeitsklima durchaus Platz haben kann, gibt es Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Diese sind auch bei körperlicher Nähe besonders zu beachten. Denn auch, wenn man sich nahesteht – jeder Mensch hat einen unterschiedlichen Umgang mit Nähe und Distanz. Die einen finden es schon zu viel, eine andere Person versehentlich zu berühren; andere finden ein Anfassen an der Schulter oder gar eine Umarmung mit den berühmten drei Küsschen zur Begrüssung als normal.

Wenn man eng zusammenarbeitet und jeden Tag mehr als acht Stunden zusammen verbringt, pflegt man zwangsläufig zwischenmenschliche Kontakte. Dass dabei Sympathien und Antipathien gegenüber einzelnen Kolleginnen und Kollegen entstehen, ist normal. Diese Gefühle können unterschiedliche Ausprägungen annehmen. Zentral ist, dass das Verhalten von allen Involvierten professionell bleibt.

Wenn Diskriminierung auf Schweigekultur trifft

Wo Menschen arbeiten, schwingen also persönliche Noten mit. Persönlich ist daher auch die empfundene Diskriminierung. Fakt ist: Diskriminierung führt bei den Betroffenen zu grossem Leidensdruck und dazu, dass sie nicht mehr gerne zur Arbeit erscheinen. Doch wie reagieren Betroffene? Anstellungsbedingungen bringen immer auch Machtstrukturen mit sich. Mitarbeitende möchten sich nicht unbeliebt machen, wollen Karriereperspektiven nicht kaputtmachen, fühlen sich machtlos gegenüber dem Vorgesetzten oder sie möchten sich als neues Team-Mitglied nicht bereits schon unbeliebt machen, indem sie sich wehren. Häufig führt dies dazu, dass eine Schweigekultur gelebt wird, in der Diskriminierung stillschweigend hingenommen und damit akzeptiert wird.

Die Kombination aus Schweigekultur und Diskriminierung schafft ein Arbeitsumfeld, in dem sich die Mitarbeitenden – auch nicht direkt betroffene – unwohl fühlen. Langfristig schlägt dies auf die Stimmung und damit auch auf die Produktivität im Team. Wie kann Diskriminierung am Arbeitsplatz also umgangen werden? Und an wen kann man sich wenden, wenn die Diskriminierung zur Belastung wird oder Übergriffe stattfinden?

Vorbeugen und bekämpfen

Folgende Punkte schaffen eine Basis für eine vertrauensvolle Unternehmenskultur und helfen, Diskriminierung in Unternehmen zu minimieren:

  • Gleichstellung und Inklusion schaffen: Egal, ob beim Bewerbungsprozess, bei den Löhnen oder bei der Barrierefreiheit in den Büroräumen – niemand sollte aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der Herkunft, wegen einer Behinderung oder wegen sonstigen Faktoren schlechtere Arbeitsbedingungen haben als die anderen Mitarbeitenden.
  • Regeln aufstellen: Führungskräfte sind verantwortlich dafür, dass keine Diskriminierung stattfindet und können die Regeln fürs Zusammenarbeiten klar definieren.
  • Grenzen klar kommunizieren: Auch Mitarbeitende können sich gegen Diskriminierung einsetzen, indem sie Grenzüberschreitungen umgehend und explizit ansprechen. Denn vielleicht ist sich jemand nicht bewusst, dass eine Grenze überschritten wird.
  • Anlaufstelle mit einer Vertrauensperson schaffen: Gerade weil Grenzen oft – beispielsweise gegenüber Führungskräften – nicht offen kommuniziert werden können oder dies auch mit Angst verbunden ist, hilft es, wenn eine unabhängige Person (z.B. im HR) in einem geschützten Rahmen Beschwerden entgegennimmt und Fakten prüft. Ausserdem gibt es externe Schlichtungs- und Beratungsstellen, an die man sich wenden kann.
  • Helfen: Opfer von Diskriminierung haben ein Recht auf Hilfe und gegebenenfalls auf Schadenersatz.
  • Sanktionieren: Verwarnungen, Versetzungen oder Kündigungen sowie eine Null-Toleranz-Kultur bei schwerwiegenden Vorfällen.
  • Juristische Schritte bei Straftaten einleiten: Liegen Straftaten vor, können strafrechtliche Massnahmen ergriffen werden. Opfer haben hier auch Rechte von Seiten des Arbeitgebers (z.B. Entschädigung).
  • Aufklären: Referate, Schulungen, Kurse und Webinare helfen, über Diskriminierung aufzuklären, Grenzen aufzuzeigen und das Wissen über verschiedene Gesellschaftsgruppen zu verbessern.


Autor: Doris Fink