Snapchat: Rekrutierungstool für die Generation Z

Kurz nach seinem Launch wurde Snapchat international sehr erfolgreich und innert kürzester Zeit wurden täglich mehrere hundert Millionen Nachrichten mit der App verschickt. Vor allem war damals auch die Story-Funktion – also das öffentliche Teilen eines Beitrags für eine gewisse Zeitdauer – einmalig und sehr beliebt. Nachdem auch andere soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram die Funktion übernommen hatten, brachen die Nutzerzahlen für Snapchat ein. Ende 2018 wurde der Dienst in der Folge von vielen bereits für tot erklärt – doch im zweiten Quartal 2019 konnte die App erneut 13 Millionen neue Nutzer dazugewinnen. Damit weist Snapchat eine aktuelle Nutzerzahl von 203 Millionen Menschen auf. Die Generation Z, also die 18- bis 24-Jährigen, sind dabei die deutliche Mehrheit.

Zugang zur Generation Z

Die Rekrutierung mit Snapchat ist deshalb vor allem dann sinnvoll, wenn genau diese Zielgruppe gefragt ist. Doch wie können junge Talente mit einem Foto-Messenger rekrutiert werden? In der Regel verläuft ein Snapchat-Recruiting so, dass die Zielgruppe dazu aufgerufen wird, kurze Bewerbungsvideos an das Unternehmen zu schicken. Dies erlaubt gerade jungen Bewerberinnen und Bewerbern, auf ein ihnen vertrautes Medium zurückzugreifen: Die Generation Z ist es gewohnt, sich selbst mit dem Smartphone zu filmen. Daher sind solche Bewerbungen oftmals authentischer, kreativer und frischer.

Der Aufruf für die Snapchat-Bewerbungen kann auf verschiedene Arten erfolgen. Grundvoraussetzung ist natürlich, dass man selbst auf Snapchat aktiv und mit dem Netzwerk vertraut ist. Eine Möglichkeit ist es dann, selbst auf Snapchat einen Aufruf starten – beispielsweise in einer Story. Da dies die Zielgruppe aber organisch erreicht, bedingt dies, dass der Snapchat-Account bekannt ist und genutzt wird. Ebenfalls können Unternehmen Filter erstellen und diese gegen Bezahlung in bestimmten Regionen aufschalten. So wird die Zielgruppe beim Auswählen der Filter auf die freie Stelle aufmerksam und kann diesen gleich für die Bewerbung verwenden. Eine weitere Option ist es, eine Rekrutierungskampagne auf Snapchat zu schalten, die zwischen Storys angezeigt wird. Auch ein Aufruf via Snapchat-Influencer kann eine interessante Option sein. Damit sich das Influencer-Marketing lohnt, gilt es hier allerdings abzuwägen, welche Persönlichkeiten eine grosse Reichweite haben und die richtige Zielgruppe ansprechen.

Ergänzendes Tool

Doch auch nach der initialen Bewerbung ist Snapchat ein interessantes Tool im Bewerbungsprozess. Mit der Videochat-Funktion können kurze Interviews direkt über die App getätigt werden. Dadurch sind Unternehmen näher bei den Bewerberinnen und Bewerbern und können unkompliziert in Kontakt treten. Dies kann gerade in Branchen wichtig sein, in denen junger Nachwuchs fehlt und digitales Know-How und Tech-Affinität verlangt werden.

Dabei ist wichtig zu betonen, dass Snapchat kein Wundermittel und bei weitem nicht das einzige Tool ist, um die richtigen Talente zu gewinnen. Vielmehr ist es als Ergänzung zu anderen Rekrutierungsmassnahmen zu sehen. Da auch andere soziale Netzwerke wie Instagram, Facebook und YouTube unterdessen über ähnliche Funktionen wie Snapchat verfügen, sollte die Verwendung des Tools ausserdem mit der restlichen Social-Media-Strategie abgestimmt werden. Denn die unterschiedlichen Netzwerke können sich optimal ergänzen. Aber: Snapchat ist längst nicht für jedes Unternehmen geeignet. Ein Rekrutierungstool soll immer zur eigenen Positionierung und dem eigenen Employer-Branding passen. Wer aber einmal etwas Neues und Innovatives im Rekrutierungsprozess ausprobieren möchte, kann auf jeden Fall – sogar erst einmal auf Probe – auf Snapchat zurückgreifen.



Autor: Doris Fink