Infrastruktur in Startups

Infrastruktur in Startups

Junge Menschen haben eine zündende Idee, gründen zusammen ein Unternehmen und legen los. Es gibt viel zu tun, und bald werden ein paar Studienkollegen, Freunde und Freunde von Freunden mit ins Boot geholt. In der Anfangsphase von Startups ist die notwendige Infrastruktur – seien es Büroräume oder Arbeitsgeräte – häufig noch nicht vorhanden und die langfristige Sicherheit für eine solche Investition fehlt. Telefoniert wird mit dem privaten Handy, gearbeitet wird in Cafés, zuhause, im Zug oder in der Küchennische des kleinen Büroraums. Alles easy und locker? Nicht ganz, denn Arbeitgeber – auch Startups – haben gemäss Arbeitsgesetz Pflichten. Und auch in Bezug auf Datenschutz sind individuelle Infrastruktur-Lösungen heikel. Worauf ist als Jungunternehmerin oder Jungunternehmer also zu achten?

Grundsätzlich ist der Arbeitgeber dafür verantwortlich, dass dem Arbeitnehmer sämtliche notwendigen Arbeitswerkzeuge sowie ein Arbeitsplatz zur Verfügung stehen. Dabei sind zwei Dinge zu beachten. Einerseits müssen beim Arbeitsplatz die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten gewährleistet sein. Beispielsweise betrifft dies die Erfüllung ergonomischer Standards, genügend Tageslicht sowie ausreichend Platz und augenfreundliche Bildschirme mit ausreichendem Abstand. Andererseits liegt der Schutz der im Unternehmen vorhandenen und generierten Daten ebenfalls in der Verantwortung des Arbeitgebers. Arbeitet jemand mit privaten Geräten, stellt dies ein potenzielles Sicherheitsrisiko für die Firmendaten dar. Wird im öffentlichen Raum – beispielsweise im Zug – gearbeitet, können Dritte grundsätzlich mithören oder mitlesen.

Eine Frage der Abmachung

Heisst das also, dass Startups und kleine Unternehmen, die sich langfristige Investitionen noch nicht leisten können, ihre Mitarbeitenden nicht mit den eigenen Geräten von zuhause aus arbeiten lassen dürfen? Die Antwort darauf lautet: Nein. Sonst wären beliebte moderne Arbeitsmodelle wie Home-Office oder das Arbeiten mit dem eigenen Gerät («Bring Your Own Device», kurz BYOD) kaum möglich. Jedoch ist dies an einige Bedingungen geknüpft. Das Wichtigste ist, dass die Anstellungsbedingungen auf gegenseitigem Einverständnis beruhen. Sprich: Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen mit der Situation zufrieden sein. Im Idealfall wird vorher vertraglich abgemacht, unter welchen Bedingungen gearbeitet wird und wie private Geräte eingesetzt werden. Gegenseitiges Einverständnis kann sich aber auch aus dem Arbeitsalltag ergeben. Falls dies nicht ausdrücklich anders geregelt ist, muss der Arbeitgeber also einen Arbeitsplatz und die notwendigen Arbeitsgeräte zur Verfügung stellen.

Mobiles Arbeiten und BYOD – aber richtig

Einigen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer darauf, dass auch unterwegs, im Home-Office, in Cafés oder in einem Co-Working-Space gearbeitet wird, ist einiges zu beachten. Auch beim mobilen Arbeiten gelten die zuvor erwähnten Voraussetzungen bezüglich Sicherheit, Gesundheit und Datenschutz; so ist es beispielsweise Aufgabe des Arbeitgebers sicherzustellen, dass die Arbeitsgeräte den heutigen Gesundheitsnormen entsprechen. Bei mehr als zwei Tagen Home-Office hat der Arbeitgeber ausserdem einen finanziellen Beitrag an die vom Mitarbeitenden selbst bereitgestellte Infrastruktur zu leisten. Finanzielle Ausgaben ergeben sich also auch hier. Beim Arbeiten im Home-Office ist ausserdem darauf zu achten, dass Berufliches und Privates getrennt werden. Dies hat auch mit Vertrauen zu tun. Hier bewährt sich ein regelmässiger Austausch bei wöchentlichen Sitzungen. Solche Meetings sind zielführend, stärken die Team-Bildung und erlauben Kontrolle in gemässigter Form.

Arbeitet ein Arbeitnehmer nach Absprache mit einem eigenen Laptop oder einem eigenen Smartphone, ist ebenfalls vor allem auf die Datensicherheit zu achten. Diebstahl, Viren, Spyware: Bei unvorsichtigem privatem Gebrauch können durch Cyber-Kriminalität geschäftliche Daten entwendet werden. Gelangen dabei sensible Daten in die falschen Hände, haftet auch das Unternehmen. Dass die Mitarbeitenden eigene Geräte verwenden, stellt ausserdem auch hier nur bedingt eine Sparmassnahme dar. Denn der Arbeitgeber kann verpflichtet werden, sich an den Kosten für Geräte oder Telekommunikation zu beteiligen.

Was tun bei Missbrauch?

Generell gilt: Klare Abmachungen und eine offene Kommunikation helfen, Probleme zu vermeiden. Was passiert aber, wenn trotzdem ein Konflikt entsteht? Stimmt die Situation für Arbeitgeber oder Arbeitnehmer nicht, hilft ein klärendes Gespräch, das Arbeitsverhältnis neu zu regeln. Klappt das nicht, können beide Seiten juristische Schritte bei der zuständigen kantonalen Behörde einleiten.

Und wie sieht es in der Praxis tatsächlich aus?

Die meisten Startups haben oft nicht die (finanzielle) Kapazität, grosse Büroräume zu mieten und teure Geräte anzuschaffen für alle Mitarbeitenden. Gerade junge Mitarbeitende haben ausserdem häufig bereits eigenes Equipment, Smartphones und Abos. Doppelspurig zu fahren, ergibt deshalb wenig Sinn und der Einsatz eigener Geräte und mobiles Arbeiten ist in der Folge für alle Beteiligten meistens die beste Lösung. Damit es keine bösen Überraschungen gibt, ist es wichtig, die Bedingungen vertraglich klar zu regeln und das Einverständnis von allen Beteiligten einzuholen. Offener Umgang und Austausch helfen, Missverständnisse und Unzufriedenheit zu vermeiden. So können Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer eine Unternehmenskultur schaffen, die ein angenehmes Arbeitsumfeld begünstigt und böse Überraschungen vermeiden.



Autor: Doris Fink