Coronavirus: Wie Unternehmen ihre Arbeitnehmenden schützen können

Das neuartige Virus SARS-CoV-2 bzw. COVID-19, besser bekannt als «Coronavirus», überschattet nicht nur die Medienberichterstattung, sondern sämtliche Bereiche des öffentlichen Lebens. Denn das Virus verbreitet sich rasant – gerade in Europa. Auch wenn sich schon gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Gesellschaft abzeichnen, ist unklar, wie sich die Situation weiterentwickelt. Klar ist, um ein exponentielles Ausbreiten und damit Infizierungen bei Risikogruppen zu verhindern, sind gesamtgesellschaftliche Vorsichtsmassnahmen zu treffen. Aber was können Arbeitgeber und Arbeitnehmende gezielt unternehmen? Und wie kann der Betrieb trotzdem aufrechterhalten werden?

Die Arbeitgeber stehen in der Pflicht, Verantwortung für ihre Mitarbeitenden zu übernehmen. Zu dieser Fürsorgepflicht gehört es auch, die Ansteckungsmöglichkeiten zu minimieren. Das Coronavirus überträgt sich über die Luft und über Körperflüssigkeiten. Zeigen Arbeitnehmende Symptome wie Fieber und Husten, sollten sie auf jeden Fall zu Hause bleiben und telefonisch Kontakt zum Arzt oder zur Ärztin aufnehmen. Arbeitgeber haben ausserdem das Recht, Mitarbeitende, die entsprechende Symptome zeigen, nach Hause zu schicken. Damit es aber gar nicht erst zu Ansteckungen kommt, können Unternehmen folgende Massnahmen ergreifen, um den Betrieb trotz Corona möglichst aufrechtzuerhalten:

1. Risikogruppen zuerst schützen

Für alle Schutzmassnahmen gilt: Menschen, für die eine Erkrankung mit dem Coronavirus eine besondere Gefahr darstellen würde, sind stärker zu schützen als andere. Gezielt sind das Arbeitnehmende über 65 Jahren sowie Arbeitnehmende mit Vorerkrankungen. Als besonders schützenswert gelten gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG, Stand: 13.03.20) Menschen mit Bluthochdruck, chronischen Atemwegerkrankungen, Diabetes, immunschwächenden Erkrankungen und Therapien, Herzkreislaufproblemen und Krebs. Auch wenn diese Gruppen besonders zu schützen sind, ist es Arbeitgebern nicht erlaubt, die Arbeitnehmenden gezielt nach Erkrankungen zu befragen, da dies die Persönlichkeitsrechte verletzt.

2. Home Office

In Büros sitzen in der Regel viele Arbeitnehmende auf engem Raum. Und alleine schon der Weg zur Arbeit ist gerade beim Schweizer Pendler-Volk mit nahem Kontakt und Menschen-Mengen verbunden. Um diese Ansteckungsherde zu vermeiden, bauen Arbeitgeber am besten die Home-Office-Möglichkeiten aus. Voraussetzung dafür ist, dass entsprechende Arbeitsgeräte und Kollaborations-Tools zur Verfügung stehen. Home-Office-Möglichkeiten gewinnen auch wegen der Kinderbetreuung an Relevanz, da die Schulen bis am 4. April (Stand: 13.03.2020) geschlossen bleiben und kein Unterricht vor Ort stattfindet.

3. Stosszeiten meiden

Home-Office kann nicht in jedem Fall gewährleistet werden. Sollten Arbeitnehmende deshalb trotzdem darauf angewiesen sein, zu pendeln, sollten Stosszeiten möglichst vermieden werden. Um dies zu begünstigen, können Unternehmen die Präsenzzeit auf das Nötigste reduzieren und um Randzeiten gestalten.

4. Hygienemassnahmen

Erhöhte Hygienemassnahmen helfen, die Verbreitung der Viren in den Büroräumlichkeiten zu minimieren. Das BAG empfiehlt gründliches und häufiges Händewaschen sowie in ein Taschentuch oder in die Armbeuge zu husten und zu niesen. Der Bund empfiehlt zudem, Taschentücher in geschlossenen Behältern zu entsorgen. Arbeitgeber sollten deshalb entsprechende Behälter zur Verfügung stellen sowie ausreichend Seife und Handdesinfektionsmittel bereitstellen. Eine häufigere Reinigung von Oberflächen, Tastaturen und Türklinken ist ebenfalls zu empfehlen. Achtung: Das Tragen von herkömmlichen Schutzmasken schützt nicht ausreichend vor Ansteckungen, weshalb sie nur bei von Personen getragen werden sollten, die selbst Symptome zeigen und das Haus verlassen müssen.

5. Abstand halten

In einem beruflichen Umfeld ist es normal, sich nahe zu kommen. Sei es räumlich in Sitzungen oder am Arbeitsplatz oder körperlich beim Händeschütteln zur Begrüssung. Das BAG empfiehlt, Abstand zu halten – vor allem zu Risikogruppen – und Körperkontakte zu meiden. Die Rede ist hierbei auch von «Social Distancing». Zur Begrüssung kann man freundlich lächeln und grüssen, bei Sitzungen und am Arbeitsplatz können einzelne Plätze ausgelassen werden. Wer länger als 15 Minuten mit anderen Personen in Kontakt ist, sollte einen Mindestabstand von zwei Metern einhalten.

6. Keine Events und keine Auslandreisen

Die Durchführung von grösseren Events wie Konferenzen und Tagungen sind nicht mehr möglich. Bundesweit sind Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen (Stand: 13.03.2020) verboten. Für Unternehmen gelten aber lokale Bestimmungen und so sind teilweise bereits Veranstaltungen mit einer Teilnehmendenzahl ab 50 Personen verboten. Städte und Kantone bieten hierzu Informationen. Auch wenn grössere Veranstaltungen im Ausland teilweise noch stattfinden, ist die Teilnahme aufgrund des Reisens und des internationalen Publikums nicht zu empfehlen.

7. Das Arbeitsgesetz beachten

Arbeitgeber müssen das Arbeitsgesetz und individuelle Arbeitsverträge auch in Ausnahmesituationen wie in Zeiten des Coronavirus respektieren. Schliesst der Betrieb aufgrund des Virus, ist das Unternehmen weiterhin verpflichtet Lohn zu zahlen. Die Anordnung von (Betriebs-)Ferien ist nicht rechtens. Der Arbeitgeber ist zudem nicht berechtigt, eine Zwangsquarantäne anzuordnen, wenn diese nicht behördlich verlangt ist. Zusätzliche Kosten, die bei den Arbeitnehmenden durch Präventionsmassnahmen wie etwa Home-Office entstehen, sind vom Arbeitgeber zu tragen. Aber auch Arbeitnehmende haben Pflichten und müssen ihre Arbeit – falls behördlich nicht anders angeordnet – weiterführen. Wer gewisse Aufgaben nicht mehr übernehmen will oder sich ohne ärztliche Anordnung unter Quarantäne stellt, verweigert sich der Arbeit und hat grundsätzlich kein Recht auf Lohnfortzahlungen. Für detaillierte rechtliche Auskünfte stehen Beratungsstellen zur Verfügung. Zusätzliche Informationen finden sich beim Bund und bei den Gewerkschaften.

8. Kulanz zeigen

Um das medizinische Personal zu entlasten, sind Arbeitgeber angehalten, bei krankheitsbedingten Abwesenheiten Kulanz zu zeigen und erst nach einer Abwesenheit von fünf Arbeitstagen ein Zeugnis einzufordern. Generell gilt: Wer den Mitarbeitenden mit Vertrauen begegnet und Verständnis zeigt, kann langfristig ein Arbeitsverhältnis auf Augenhöhe aufbauen. Denn das Zwischenmenschliche soll auch in turbulenten Zeiten nicht ausser Acht gelassen werden.

Disclaimer: Die vorgeschlagenen Massnahmen sind lediglich Empfehlungen von SwisSolution, basierend auf den aktuellen Empfehlungen des BAG (Stand: 13. März 2020). Überprüfen Sie regelmässig die kommunizierten Massnahmen des Bundes und orientieren Sie sich an diesen. Wenden Sie sich bei medizinischen Anliegen an medizinische Fachkräfte und holen Sie sich bei arbeitsrechtlichen Fragen juristischen Beistand.



Autor: Doris Fink