Coronavirus: Was die Lockerungen für die Arbeitgeber bedeuten

Am 16. April kommunizierte der Bundesrat die etappenweise Lockerung der Vorsichtsmassnahmen betreffend Coronavirus. Die Kurve ist abgeflacht, doch COVID-19 hat die Gesellschaft und die Wirtschaft weiterhin fest im Griff und die Fallzahlen steigen weiter. Der Bund schlägt eine Lockerung der Massnahmen in vorerst drei Etappen vor. Aber wie sehen die Lockerungen aus und was bedeuten sie für die Arbeitswelt und dabei speziell für die Risikogruppe?

Die Etappen der Corona-Lockerungen

Ab dem 27. April können Baumärkte, Coiffeurgeschäfte und weitere Geschäfte mit personenbezogenen Dienstleistungen wieder öffnen. Zudem können Spitäler wieder Normalbetrieb aufnehmen und auch ambulante Praxen können wieder öffnen. Ab dem 11. Mai sollten dann die weiteren Läden und die obligatorischen Schulen wieder öffnen können. Weiterführende Schulen, Bibliotheken, Museen und Zoos werden voraussichtlich ab dem 8. Juni wieder in Betrieb genommen. Bedingung für die Wiederaufnahme des Betriebs ist die Ausgestaltung eines Hygiene- und Sicherheitskonzepts, das die Arbeitnehmenden und die Kundschaft schützt. Restaurantbetriebe bleiben vorerst geschlossen und Grossveranstaltungen werden weiterhin nicht durchgeführt. Je nach Entwicklung der Lage und der Auslastung des Gesundheitssystems können sich die Massnahmen aber wieder verschärfen und die entsprechenden Zeitpunkte verändern.

Massnahmen im Büro-Alltag

Für den herkömmlichen Büro-Alltag verändert sich durch die Lockerung der Massnahmen vorerst nichts. Überall, wo es möglich ist, soll die Arbeit im Home-Office stattfinden. Einerseits entlastet dies den weiterhin beschränkt nutzbaren Pendlerverkehr, andererseits reduziert es die Anzahl an Kontakten. Bis weitere Lockerungen folgen, sind also immer noch Video-Konferenzen und Arbeit von zuhause angesagt. Ist dies nicht möglich, gelten ebenfalls weiterhin die Hygiene- und Sicherheitsmassnahmen: Fleissiges Händewaschen, in die Armbeuge oder ein Taschentuch niesen und husten, kein Händeschütteln, zwei Meter Abstand und keine Versammlungen mit mehr als fünf Leuten. Von einer Maskenpflicht sieht der Bundesrat vorerst ab, da die Masken nicht ausreichend vor Ansteckungen schützen und das Gesundheitssystem auf das medizinische Material angewiesen ist. Der Bundesrat entscheidet allerdings über eine Maskentragepflicht in einzelnen Berufen und wird entsprechend kommunizieren. Reisen ins Ausland sind ebenfalls bis auf Weiteres nicht möglich, da die Grenzen geschlossen bleiben.

Risikogruppen: Rechte und Pflichten besonders gefährdeter Menschen

Der Bundesrat sieht bei den Lockerungen der Massnahmen ausdrücklich vor, dass Mitarbeitende geschützt werden. Risikogruppen sind durch die erhöhte Gefahr bei einer allfälligen Corona-Ansteckung weiterhin speziell schützenswert. Zur Risikogruppe zählen Menschen über 65 Jahren und Menschen mit Vorerkrankungen (Bluthochdruck, chronische Atemwegserkrankungen, Diabetes, immunschwächende Erkrankungen/Therapien, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs).

Menschen, die zur Risikogruppe gehören, sind besonders aufgefordert, zuhause zu bleiben und Kontakte zu anderen zu vermeiden. Sie haben die Pflicht, den Arbeitgeber persönlich über das Risiko aufzuklären. Arbeitgeber können ein Arztzeugnis verlangen, sind aber dazu angehalten, dabei Kulanz zu zeigen. Weiter sollen sie besonders gefährdeten Arbeitnehmenden Home-Office ermöglichen und die Mitarbeitenden über Schutzmassnahmen aufklären. Ist Home-Office nicht möglich, muss der Arbeitgeber dafür sorgen, dass die besonders gefährdeten Personen die Schutzmassnahmen einhalten können. Ist beides nicht möglich, haben Arbeitnehmende, die zur Risikogruppe gehören Recht auf bezahlten Urlaub.

Weitere Informationen hierzu finden sich bei den Bestimmungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) unter dem entsprechenden Abschnitt: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/novel-cov/massnahmen-des-bundes.html#797337129

Zusammenfassung und Tipps:

  • Ab dem 27. April können Baumärkte, Coiffeurgeschäfte, Geschäfte mit personenbezogenen Dienstleistungen und ambulante Praxen wieder öffnen. Arbeitgeber in den entsprechenden Branchen sollten schon jetzt einen Plan für den Schutz der Mitarbeitenden und der Kundschaft bzw. der Patienten erarbeiten und mit der Umsetzung beginnen.
  • Für die weiteren Geschäfte gilt dies voraussichtlich ab dem 11. Mai.
  • Büro-Betriebe arbeiten bis auf Weiteres im Home-Office, nutzen Video-Konferenzen und Online-Tools.
  • Bei Ausnahmen zählen weiterhin die Hygiene- und Schutzmassnamen.
  • Es gilt weiterhin keine Maskentragpflicht. Berufsspezifische Regelungen werden geprüft.
  • Besonders gefährdete Personen sollen ihre Arbeitgeber über das Risiko aufklären und müssen entsprechend geschützt bzw. bezahlt beurlaubt werden.
  • Zuhause bleiben und Kontakte meiden, damit möglichst bald wieder Normalität eintreffen kann.

 

Disclaimer: Die Informationen beziehen sich auf die am 16.04.2020 vom Bundesrat kommunizierten Massnahmen betreffend COVID-19. Überprüfen Sie regelmässig die aktuellen Massnahmen des Bundes und orientieren Sie sich an diesen. Wenden Sie sich bei medizinischen Anliegen an medizinische Fachkräfte und holen Sie sich bei arbeitsrechtlichen Fragen juristischen Beistand.



Autor: Doris Fink